Folgender Artikel ist zur Gründung der Hedonist International Jena (A.S.P.I.) auf Jenapolis erschienen:
Jenaer Sektion der Hedonistischen Internationale gegründet
Jena. Am 4. Februar 2011 gründete sich die Jenaer Sektion der Hedonistischen Internationale. Die Hedonistische Internationale ist ein strukurloses Netzwerk, das nach eigenen Angaben die Ideen des Hedonismus umsetzen möchte. Hedonismus soll dabei nicht als “Motor einer dumpfen, materialistischen Spaßgesellschaft, sondern als Chance zur Überwindung des Bestehenden” verstanden werden, wie auf einer ihrer Internetpräsenzen verlautbart wird.
Die jungen Jenaer Hedonisten Bastian Müller, Gregor Reinhold und Nina Emmerich (Namen geändert) gewährten Jenapolis Einblicke in ihre Vorstellung einer konkreten Arbeit vor Ort. Ihre vollständigen Namen möchten sie nicht bekanntgeben. Bastian Müller merkt dazu an, dass auch “Künstler sich andere Namen geben dürfen, und dies dann auch für künstlerischen Protest gelten müsste”. Die Aktivisten möchten durch die Gründung der Hedonistischen Internationale verschiedene Formen des Protestes und des Aktivismus umsetzen, die sich von den für sie bekannten Formen wie den “Latschdemos” unterscheiden. Für Nina Emmerich ist dies eine Möglichkeit, “bunte Aktionsformen ohne feste organisatorische Struktur kreativ und frei umsetzen zu können”. Bei den Aktionen geht es ihnen vor allem um die Unterstützung bereits bestehender Gruppierungen. Gregor Reinhold reizt besonders die Möglichkeit, sich auf keinen bestimmten Weg festzulegen und “kein ideologisches Klettergerüst” zu benötigen.
Die Idee zur Mitwirkung ist den Jenaern auf verschiedenen Demonstrationen, welche die Hedonistische Internationale unterstützte, gekommen. So wurden beispielsweise die Anti-Castor Proteste im Wendland oder die Demonstrationen gegen den G8 Gipfel in Heiligendamm durch die Hedonistische Internationale mit Musik und Veranstaltungen unterstützt. Bei diesen Gelegenheiten lernten die Jenaer die Gruppierung kennen und beschlossen auch in Jena eine in bester hedonistischer Tradition ironisch als Sektion bezeichnete strukturlose Gruppe zu gründen. Bastian Müller reizte besonders die Vorstellung, Partys mit Politik verbinden zu können und so Freude und Politik zusammenzuführen.
Die Jenaer Gruppe bezeichnet sich selbst als “Agnostische Sektion Paradiesischer Inspekteur_innen”. Der Name drückt für Gregor Reinhold eine gewisse Ironie aus, welche zur Grundidee der Hedonisten passt. Paradiesisch möchten sie sein um einen lokalen Bezug zu Jena herzustellen und gleichzeitig die Ziele der Hedonistischen zu umschreiben. Als Inspekteure sehen sie sich, weil sie die Gesellschaft und den Lebensraum der Menschen inspizieren wollen, um ihre Zweifel am Bestehenden auszudrücken.
Als Gegenentwurf zum Konzept der politischen Partei möchten sie sich nicht verstanden fühlen. Für Gregor Reinhold schließen sich diese beiden Ideen in keiner Weise aus, die Politik wird nur mit Spaß und Freude ergänzt. Das Konzept der Hedonisten sei allerdings wesentlich freier als die Strukturen einer Partei. Für Bastian Müller ist ihr Ansatz nur eine Umsetzung mit anderen Möglichkeiten, welche auf eine radikale Art frei ist.
Die junge Gruppe plant bereit ihre ersten Aktivitäten. Als politische Themenfelder wurden bunte Aktionen gegen den Naziaufmarsch in Dresden, die Unterstützung der Anti-Atom Bewegung, der Besuch des Papstes im September 2011 in Erfurt und die lokale Eichplatz-Debatte genannt. Nina Emmerich merkte an, dass weitere Themen von jedem vorgeschlagen oder umgesetzt werden können. Ganz konkret wurde am Sonntag, den 6. Februar um 14 Uhr am Inselplatz ein erster Workshop veranstaltet, in dem Flugzeug-Kostüme für die Gegen-Demonstrationen in Dresden vorbereitet wurden. In den nächsten Wochen soll dann ein mobiles Lautsprechersystem gebaut werden, um auf Demonstrationen für die richtige Stimmung zu sorgen.
Im Anschluss an dieses Gespräch feierten die Hedonisten ausgelassen ihre Gründung in Jena. Jenapolis wird diese Gruppe auch weiter begleiten und von ihren Aktivitäten berichten.
Autor: Martin Michel (Namen im Beitrag von der Redaktion geändert)